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Dienstag, 16. Dezember 2025

Amperebear's Electronic Logbook

Gedanken zum Logbuch



Wie bereits erwähnt, hatte ich seit geraumer Zeit ein elektronisches Logbuch im Einsatz, welches mittels entsprechender Software auf dem Laptop läuft und in Echtzeit verwendet wurde. Das hat eigentlich ganz simpel funktioniert und sah im Wesentlichen nicht viel anders aus, als die handgeschriebenen Logbuch-Seiten. Mit dem Unterschied, dass ich jetzt alle Seiten ausdrucken musste, was aber alles etwas sauberer und aufgeräumter aussah. Dazu hatte ich mir im Walmart einen Tintenstrahldrucker und ein langes USB-Anschlusskabel gekauft, damit ich den hinten in der Kabine auf dem Schrank fest angeschraubten Drucker aus jeder Position im Fahrzeug vom Laptop aus betreiben konnte.

Ein herkömmlicher Power-Inverter regelte die 12 Volt Stromversorgung im Truck auf die in Nordamerika übliche Haushaltsspannung von 110 Volt hoch. Auf diese Weise konnte ich die entsprechenden Geräte auch im mobilen Einsatz betreiben und meine Logseiten täglich ausdrucken. Die Kontrollbehörde D.O.T. schreibt sogar das Mitführen der aktuellen Logsheets vor. Auch die Einträge des laufenden Tages müssen aktuell vorgelegt werden können, was aber in diesem Fall entweder auf dem Bildschirm des Laptops zu sehen ist oder auf Wunsch des D.O.T. Officers auch ausgedruckt werden kann.

Wenn ich also während eines laufenden Arbeitstages kontrolliert werde, dann sollte das zuletzt eingegebene Event im Logbuch Driving (Fahren) sein. Dieses, sowie alle vorangegangen Events, werden, genau wie bei den handschriftlichen Aufzeichnungen, grafisch als Linienführung dargestellt. Unter dieser Grafik befinden sich dann die Erklärungen zu den einzelnen Events, wie z.B. die Pause in Las Vegas von 7:30 Uhr bis 8:00 Uhr, beginnend mit einem Load/Tire Check, dem üblichen Walkaround und FUEL für die Betankung des Trucks. Ab 8:00 Uhr ist dann wieder Driving geloggt.

Bei der Logbuchseite auf dem Bild handelt es sich übrigens um das Original von dem Trip nach Kalifornien, den ich in diesem Blog-Posting schilderte. Auf die Erwähnung meines elektronischen Logbuches hin folgt jetzt endlich diese Erklärung, welche ich damals auch schon mal ankündigte. Die originalen Logsheets aus 2011 sind hier übrigens alle noch vorhanden.


Anders als bei der handgeschriebenen Version rechnet der Computer die Zeiten selbst aus, sodass ich nur noch meine täglichen Lenk- und Ruhezeiten im Blick behalten musste.

Früh Morgens um 2:00 Uhr bin ich in Nephi, im US-Bundesstaat Utah, gestartet und habe um 1:45 Uhr die einzigen 15 Minuten Arbeitszeit vor dem Start als PTVI geloggt, was für Pre-Trip-Vehicle-Inspection steht. Das ist so vorgeschrieben und schneller ist ein ausführlicher Pre-Trip ja auch kaum zu schaffen. 

Nachmittags um 15:00 Uhr habe ich auf dem Flying J in der Stadt Ontario in Kalifornien nach insgesamt 11 Stunden Fahrzeit Feierabend gemacht. Am Ende meiner Schicht habe ich noch einen Post-Trip als PT geloggt. Jetzt kann man an Hand des Kilometerstands die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnen. An diesem Tag habe ich 1.063 Kilometer zurückgelegt. Die teile ich jetzt durch 11 Stunden Fahrzeit und erfahre dann, dass ich im Tagesdurchschnitt mit 96,6 km/h unterwegs gewesen bin, obgleich ich insgesamt auch noch zwei Stunden Pause zwischen meinen Fahrzeiten gemacht habe.

In Nordamerika wird bei den Pausenzeiten, anders als in Europa, zwischen Pause und Schlafenszeit unterschieden. Als Pausenzeit zählt zwar beides zusammenhängend, allerdings sind in den USA acht Stunden Sleeperbirth vorgeschrieben, welche auch unbedingt so geloggt werden sollten um eine Violation zu vermeiden. Vor Beginn der Schicht kann man dann, so wie es auf dem Bild mit dem Logsheet zu sehen ist, z.B. eine Stunde Off Duty (Pause) für den Besuch im Washroom und für das Frühstück loggen, oder man steht auf und startet direkt nach der geloggten Schlafenszeit, auch das wäre möglich. Allerdings muss dann die gesamte Ruhezeit im 24 Stundenzeitraum in den USA 10 Stunden betragen.

Nach der Schicht habe ich das genauso gemacht. Eine Stunde für das Abendessen und sonstige Geschäfte, danach acht zusammenhängende Stunden Schlafenszeit.

Insgesamt habe ich am 03. April 2011 in dem 24 Stunden Zeitraum 12 Stunden und 45 Minuten Pause geloggt. Hier rechnen wir die 11 Stunden und 15 Minuten für Tätigkeiten wie Fahren und andere Arbeiten wie den Pre-Trip hinzu, dann ergibt das wieder 24 Stunden und so ist dieser Tag richtig im Logbuch eingetragen worden.

Jetzt gilt es aber noch die gesamte Arbeitszeit für den in den USA höchst zulässigen Gesamtarbeitszeitraum von 70 Stunden in acht Tagen nicht aus den Augen zu verlieren. Auch das berechnet die Software des elektronischen Logbuchs. In der Spalte Recap finden sich auf den ersten Blick die noch restlichen verfügbaren Arbeitszeiten der laufenden acht Tage, sowie die bereits gearbeiteten Stunden. Laut diesem Tag hätte ich noch 49 Stunden verfügbar bis zu meinem nächsten 36 Stunden langen Reset. Danach zählen die verfügbaren Stunden wieder von vorne von 70 runter.

In Canada weichen die Vorschriften etwas von denen in den USA ab. Hier sind längere Arbeitszeiten zulässig. Während in den USA die Regelung aus dem Jahr 2006 greift für tägliche 11 Stunden Fahren und 14 Stunden Schichtzeit, darf man in Canada täglich 13 Stunden fahren bei 16 Stunden Schichtzeit. Die 70 Stundenwoche bleibt in Canada gleich, kann aber innerhalb des Landes in einem zwei Wochen Zeitraum erhöht werden.

Wer sich allerdings auch in Canada an die US-Vorschriften hält, der ist auch hier legal unterwegs, da er an das Limit der kanadischen Vorschriften gar nicht erst herankommt.

Nur das Speedlimit erfordert gegenüber den USA eine Anpassung, da je nach Streckenführung nur zwischen 90 und 110 Stundenkilometern zulässig sind.

Bezüglich der Arbeitszeiten habe ich mich auch in Canada, mal abgesehen von wenigen Ausnahmen, tatsächlich an die Arbeitszeitvorschriften der USA gehalten. Mit 11 Stunden Fahrzeit kann man schon eine ganz gute Strecke schaffen. Das Ausreizen der kanadischen Vorschriften war teilweise sogar kontraproduktiv, da ich nie so recht wusste, ob ich nicht vielleicht wieder kurzfristig in die USA einreisen sollte. Spätestens dann müssen die Wochenstunden wieder mit denen in den USA kompatibel sein.

Heute, im Jahr 2025, gibt es in Nordamerika sogar das ELD, das sogenannte Electronic Logging Device, welches ähnlich wie in Europa die Bewegung des Fahrzeugs automatisch aufzeichnet.

Damit kann man dann auch jenseits des großen Teiches im Logbuch keine Stunden mehr verschieben. Das aber ist eine andere völlig Geschichte.


Freitag, 12. November 2010

It`s goin` slow - We gettin` Snow.

Was bei den meissten Kollegen in Canada als Great-Lake-Rounder endet, geht fuer uns scheinbar nur
selten. Im Kreis zu fahren soll ja auf die Dauer auch ziemlich nervtoetend sein, auch wenn ich gerne ueber den Hwy 11 fahre. Also auf diesem Trip hatte ich einen kompletten drop in Sibley, Iowa. Das liegt so gute 100km oestlich von Sioux Falls, SD. Die paar Meilen bin ich, nachdem der Trailer entladen war, auch wieder nach Sioux Falls zurueck um dort auf dem Flying J auf eine Anschluss-Fracht zu warten.
Einige Trucks tragen ihre Schoenheit im Detail, wie ich an diesem gruenen Peterbilt festgestellt habe. Der Schalthebel, passend zur Wagenfarbe, glaenzte gruen im Wurzelholz seines Interieurs.

Einen ganzen Tag spaeter ging dann das Load-Offer ein. Die Ladung wurde natuerlich in Iowa rausgesucht, wohl wissend das ich schon wieder in South
Dakota war. Wie gross der Staat Iowa nun ist laesst sich am besten herrausfinden in dem man Iowa mal komplett durchquert, die Ladung stand im 730km entfernten Burlington fuer mich bereit und das wiederum war an der Grenze zu Illinois. Dort angekommen ging alles ganz schnell, die Ladung auf meinen Dry Van draufgeschoben, Tueren zu, High-Security-Seal dran und wieder 730km nach Sioux Falls zurueck. Da habe ich dann im Internet meine Freigabe fuer meinen Grenzuebergang ueberprueft. Der Kunde hatte die Papiere fuer mich
gefaxt und auf der Website des Brokers stand das Bordercrossing schon auf waiting on arrival. Das hiess ich war good to go, hatte aber noch ein paar Meilen vor mir bis ich in Coutts, Alberta an die Grenze kam.

South Dakota durchquerte ich auf der Interstate 90 richtung Westen. In der kargen Landschaft fielen mir immer wieder Werbetafeln auf, die auf diverse Sehenswuerdigkeiten aufmerksam machen. Der weisse Dodge Fire Truck gehoert wohl auch zu den Bierbrauern, flott unterwegs, Bierdurst ?
Na jedenfalls finde ich das mit den alten ausgemusterten Firetrucks eine tolle Idee. Die bringen die Werbeschilder erst so richtig zur Geltung waehrend die Dinosaurier sowieso fuer sich selbst sprechen.

In Rapid City gibt es auch einen Flying J Truckstop auf an dem ich einen Fuel- und Kaffee-Stop einlegte. Hier in der Naehe kann man uebrigens auch die Praesidentenkoepfe in der Felswand vom Mt. Rushmore bewundern. Ich hebe mir diesen Besuch fuer naechstes Mal auf und fuhr weiter nach Wyoming wo es ploetzlich heftig zu schneien begann.
Take you time and not your life, frei nach dieser Devise fuhr ich in Gillette, Wyoming den naechsten Flying J an um mir im Restaurant ein grilled Pepper Steak mit Fries und Onionsalat schmecken zu lassen.


Nach dem obligatorischen Kaffee
checkte ich mein Facebook und setzte meine Fahrt fort. Der Schneefall liess nach und die Interstate war schon geraeumt worden. Weiter noerdlich in
Sheridan raus zum Port of Entry. Das ist die Wiegestation in Wyoming zur Staatsgrenze nach Montana. Wie ueblich dort nach dem Wiegen des Trucks, Ampel auf Gelb: Report to the Office. Das bedeutet auf den Parkplatz fahren und mit den Fahrzeugpapieren ins Buero zu gehen. Dort werden die entsprechenden Permits gecheckt und auf deren gueltigkeit ueberprueft. Dann will der Officer wissen was geladen ist und wo die Fracht hingeht. Das wars auch schon. Mit den Worten: Have a good Day; gab er mir meine
Papiere zurueck und ich fuhr ohne Beanstandungen zurueck auf die
Interstate nach Montana.

Hier war die Strecke Schneefrei, also cruisecontrol rein und den CAT einen guten Job machen lassen. In Billings angekommen war es schon spaet aber ich fand noch einen Platz in der ersten Reihe. Da war wohl schon der erste Fruehaufsteher in seinen neuen Arbeitstag gestartet.
Die Prozedur ist eigentlich immer gleich: Tanken, Parken, Duschen, gegessen hatte ich ja schon und ab ins Bett. Acht Stunden Schlaf sind in den USA Pflicht. Das wird hier uebrigens auch im Logbuch als sleeperberth vermerkt. Zehn Stunden Pause muessen insgesamt gemacht werden,
rechnet man jeweils eine Stunde fuer
duschen und Essen und eine weitere Stunde fuer das Fruehstueck dazu, dann passt das schon. Der Truck darf aber erst nach 10 Stunden und 15 min. wieder rollen, denn 15 min. Pre Trip Inspection gehoeren zur Arbeitszeit eines jeden Tages und muessen ebenfalls in das Log eingetragen werden.
Ich hab hier mal ein Beispiel erstellt auf dem man sehr gut sehen kann das dieser Kollege, ich hab ihn mal Johnny Walker genannt, um 8:00 Uhr morgens seine Pre Trip Vehicle Inspection (PTVI) gemacht hat. Dann ist er um viertel nach acht eine halbe Stunde zum Laden gefahren. LLD ist die Abkuerzung fuer Liveload. Laut DOT sollten wir alle 3,5 Stunden einen Stop fuer einen Tirecheck einlegen. Ich kuerze das mit VC fuer Vehiclecheck ab. Das schliesst auch eine komplette Rundumsicht des Trucks und Trailers ein.
In Black River Falls hat er getankt, aber weniger als 7 min. dafuer gebraucht, deshalb logt er das nur als Flag (Strich nach unten) und nicht als 15 min. on Duty wie es dann vorgeschrieben waere. In Fargo hat er seine Post Trip Inspection (PT) gemacht. Und jetzt kommen wir zu seiner gefahrenen Geschwindigkeit: Den Durchschnitt rechnen wir ganz einfach aus in dem wir die 1048 Tageskilometer durch die 10.75 Fahrstunden teilen. Nun muss man wissen das in Illinois auf einigen Strecken nur ein speedlimit von 55 mls erlaubt ist, also schneller als 90 km/h ist nicht, oder besser, sollte nicht drin sein.
In Wisconsin darf er wieder Gas geben, da sind 65mls erlaubt. In der Vergangenheit bekam ich mehrfach Anfragen aus Deutschland, ich solle doch mal das Logbuch im Blog erklaeren. Ich hoffe das reicht fuers Erste.

Kommen wir mal wieder zurueck auf meinen Trip nach Alberta. Ich crosste also ohne Probleme die Border in Coutts und fuhr dann noch bis Calgary, wo ich ueber das Wochenende stehen bleibe. Privat brauche ich schliesslich auch mal eine Auszeit und ich kenne inzwischen eine Menge Leute in Canada mit denen ich mich auch schonmal treffe, wie auch an diesem Wochenende. Montag geht es dann weiter. Uebrigens solltet ihr den Eintrag ueber die Maerchenwelt der Blogschreiber nicht so Ernst nehmen, ist doch klar das jeder mal einen schlechten Tag hat, das haelt mich aber nicht von der Wahrheit ab. Hab ich schon erwaehnt das es am Wochenende in Alberta wieder Schnee geben soll ?
Schoenes Wochenende allerseits.