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Dienstag, 16. Dezember 2025

Amperebear's Electronic Logbook

Gedanken zum Logbuch



Wie bereits erwähnt, hatte ich seit geraumer Zeit ein elektronisches Logbuch im Einsatz, welches mittels entsprechender Software auf dem Laptop läuft und in Echtzeit verwendet wurde. Das hat eigentlich ganz simpel funktioniert und sah im Wesentlichen nicht viel anders aus, als die handgeschriebenen Logbuch-Seiten. Mit dem Unterschied, dass ich jetzt alle Seiten ausdrucken musste, was aber alles etwas sauberer und aufgeräumter aussah. Dazu hatte ich mir im Walmart einen Tintenstrahldrucker und ein langes USB-Anschlusskabel gekauft, damit ich den hinten in der Kabine auf dem Schrank fest angeschraubten Drucker aus jeder Position im Fahrzeug vom Laptop aus betreiben konnte.

Ein herkömmlicher Power-Inverter regelte die 12 Volt Stromversorgung im Truck auf die in Nordamerika übliche Haushaltsspannung von 110 Volt hoch. Auf diese Weise konnte ich die entsprechenden Geräte auch im mobilen Einsatz betreiben und meine Logseiten täglich ausdrucken. Die Kontrollbehörde D.O.T. schreibt sogar das Mitführen der aktuellen Logsheets vor. Auch die Einträge des laufenden Tages müssen aktuell vorgelegt werden können, was aber in diesem Fall entweder auf dem Bildschirm des Laptops zu sehen ist oder auf Wunsch des D.O.T. Officers auch ausgedruckt werden kann.

Wenn ich also während eines laufenden Arbeitstages kontrolliert werde, dann sollte das zuletzt eingegebene Event im Logbuch Driving (Fahren) sein. Dieses, sowie alle vorangegangen Events, werden, genau wie bei den handschriftlichen Aufzeichnungen, grafisch als Linienführung dargestellt. Unter dieser Grafik befinden sich dann die Erklärungen zu den einzelnen Events, wie z.B. die Pause in Las Vegas von 7:30 Uhr bis 8:00 Uhr, beginnend mit einem Load/Tire Check, dem üblichen Walkaround und FUEL für die Betankung des Trucks. Ab 8:00 Uhr ist dann wieder Driving geloggt.

Bei der Logbuchseite auf dem Bild handelt es sich übrigens um das Original von dem Trip nach Kalifornien, den ich in diesem Blog-Posting schilderte. Auf die Erwähnung meines elektronischen Logbuches hin folgt jetzt endlich diese Erklärung, welche ich damals auch schon mal ankündigte. Die originalen Logsheets aus 2011 sind hier übrigens alle noch vorhanden.


Anders als bei der handgeschriebenen Version rechnet der Computer die Zeiten selbst aus, sodass ich nur noch meine täglichen Lenk- und Ruhezeiten im Blick behalten musste.

Früh Morgens um 2:00 Uhr bin ich in Nephi, im US-Bundesstaat Utah, gestartet und habe um 1:45 Uhr die einzigen 15 Minuten Arbeitszeit vor dem Start als PTVI geloggt, was für Pre-Trip-Vehicle-Inspection steht. Das ist so vorgeschrieben und schneller ist ein ausführlicher Pre-Trip ja auch kaum zu schaffen. 

Nachmittags um 15:00 Uhr habe ich auf dem Flying J in der Stadt Ontario in Kalifornien nach insgesamt 11 Stunden Fahrzeit Feierabend gemacht. Am Ende meiner Schicht habe ich noch einen Post-Trip als PT geloggt. Jetzt kann man an Hand des Kilometerstands die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnen. An diesem Tag habe ich 1.063 Kilometer zurückgelegt. Die teile ich jetzt durch 11 Stunden Fahrzeit und erfahre dann, dass ich im Tagesdurchschnitt mit 96,6 km/h unterwegs gewesen bin, obgleich ich insgesamt auch noch zwei Stunden Pause zwischen meinen Fahrzeiten gemacht habe.

In Nordamerika wird bei den Pausenzeiten, anders als in Europa, zwischen Pause und Schlafenszeit unterschieden. Als Pausenzeit zählt zwar beides zusammenhängend, allerdings sind in den USA acht Stunden Sleeperbirth vorgeschrieben, welche auch unbedingt so geloggt werden sollten um eine Violation zu vermeiden. Vor Beginn der Schicht kann man dann, so wie es auf dem Bild mit dem Logsheet zu sehen ist, z.B. eine Stunde Off Duty (Pause) für den Besuch im Washroom und für das Frühstück loggen, oder man steht auf und startet direkt nach der geloggten Schlafenszeit, auch das wäre möglich. Allerdings muss dann die gesamte Ruhezeit im 24 Stundenzeitraum in den USA 10 Stunden betragen.

Nach der Schicht habe ich das genauso gemacht. Eine Stunde für das Abendessen und sonstige Geschäfte, danach acht zusammenhängende Stunden Schlafenszeit.

Insgesamt habe ich am 03. April 2011 in dem 24 Stunden Zeitraum 12 Stunden und 45 Minuten Pause geloggt. Hier rechnen wir die 11 Stunden und 15 Minuten für Tätigkeiten wie Fahren und andere Arbeiten wie den Pre-Trip hinzu, dann ergibt das wieder 24 Stunden und so ist dieser Tag richtig im Logbuch eingetragen worden.

Jetzt gilt es aber noch die gesamte Arbeitszeit für den in den USA höchst zulässigen Gesamtarbeitszeitraum von 70 Stunden in acht Tagen nicht aus den Augen zu verlieren. Auch das berechnet die Software des elektronischen Logbuchs. In der Spalte Recap finden sich auf den ersten Blick die noch restlichen verfügbaren Arbeitszeiten der laufenden acht Tage, sowie die bereits gearbeiteten Stunden. Laut diesem Tag hätte ich noch 49 Stunden verfügbar bis zu meinem nächsten 36 Stunden langen Reset. Danach zählen die verfügbaren Stunden wieder von vorne von 70 runter.

In Canada weichen die Vorschriften etwas von denen in den USA ab. Hier sind längere Arbeitszeiten zulässig. Während in den USA die Regelung aus dem Jahr 2006 greift für tägliche 11 Stunden Fahren und 14 Stunden Schichtzeit, darf man in Canada täglich 13 Stunden fahren bei 16 Stunden Schichtzeit. Die 70 Stundenwoche bleibt in Canada gleich, kann aber innerhalb des Landes in einem zwei Wochen Zeitraum erhöht werden.

Wer sich allerdings auch in Canada an die US-Vorschriften hält, der ist auch hier legal unterwegs, da er an das Limit der kanadischen Vorschriften gar nicht erst herankommt.

Nur das Speedlimit erfordert gegenüber den USA eine Anpassung, da je nach Streckenführung nur zwischen 90 und 110 Stundenkilometern zulässig sind.

Bezüglich der Arbeitszeiten habe ich mich auch in Canada, mal abgesehen von wenigen Ausnahmen, tatsächlich an die Arbeitszeitvorschriften der USA gehalten. Mit 11 Stunden Fahrzeit kann man schon eine ganz gute Strecke schaffen. Das Ausreizen der kanadischen Vorschriften war teilweise sogar kontraproduktiv, da ich nie so recht wusste, ob ich nicht vielleicht wieder kurzfristig in die USA einreisen sollte. Spätestens dann müssen die Wochenstunden wieder mit denen in den USA kompatibel sein.

Heute, im Jahr 2025, gibt es in Nordamerika sogar das ELD, das sogenannte Electronic Logging Device, welches ähnlich wie in Europa die Bewegung des Fahrzeugs automatisch aufzeichnet.

Damit kann man dann auch jenseits des großen Teiches im Logbuch keine Stunden mehr verschieben. Das aber ist eine andere völlig Geschichte.


Donnerstag, 25. August 2011

Container nach Europa - My Last Vacation Run

Mein Weekend war also mal wieder nicht länger als 24h, ich hatte noch Zeit, ein paar mir ans Herz gewachsenen Freunden ein Good Bye zu übermitteln, mit meinem Kollegen von TransX und mit seiner Family ein BBQ einzuschmeißen.
Mein Dispatch gab mir grünes Licht für meinen letzten Trip durch Nord Amerika, welcher es zeitlich echt in sich hatte. Ich rechnete kurz nach und kam zu dem Ergebnis, dieser Run würde mich über meine täglich zulässigen Stunden hinaus an der Arbeit halten. Doch es war für einen guten Zweck, es war für mich selbst. Nach mehreren Jobangeboten hatte ich mich entschieden nach Europa zurückzugehen und das Unternehmen Canada erst einmal als mehr oder weniger schlechte Erfahrung zu verbuchen, was nicht zuletzt durch die Trennung meiner Frau Ricarda mit ihren mutwilligen Verleumdungen auch durch ihren ebenfalls deutschen Lebensgefährten zustande kam.
Also verschob ich meine Stunden im Logbuch ein wenig und sie waren wieder legal, zumindest auf dem Papier. Das ist übrigens gängige Praxis in Nord Amerika wenn man Geld verdienen will, manche nennen es auch Lügenbuch, ich nenne es praktisch.
Mein Container war beladen mit allerhand brauchbaren Zeugs, ich hatte im Lauf der Zeit einiges angeschafft und war schließlich froh den Container selber auf die Reise schicken zu dürfen. Die Eisenbahn hätte das auch wohl kaum in dieser kurzen Zeit hinbekommen.
Dank einer sehr zuvorkommenden Trucking-Company war der Transport keine große Sache, denn eine familiere Atmosphäre war im Office jederzeit verfügbar und selbst die Büroangestellten ließen es sich nicht nehmen mich persönlich zu verabschieden. Vom festen Händedruck bis zur Umarmung einiger Angestellten des Driver Services gab man mir mit auf den Weg, das man mich vermissen würde.
Mein Trailer mit dem Container stand bereits auf dem Yard als ich am Sonntag gegen 10AM dort eintraf. Man hatte alles menschenmögliche getan um ihn zu beladen und die entsprechenden Frachtpapiere auszustellen. Um die Verzollung kümmerte sich jemand von Atlantic am Verschiffungsort des Containers. Also dann, Trailer aufgenommen, Pre Trip Vehicle Inspection gemacht, 3 Achsen am Trailer gezählt und gewundert weshalb es gerade ein Tridem war, das Ladegewicht lag gerade mal bei 3.300 kg. Nun was soll's, dachte ich, entweder hatten die keinen anderen oder es hat schon irgendeinen anderen Sinn.
11:00AM, zum letzten Mal verließ ich unseren Yard in Winnipeg. Das war schon ein mulmiges Gefühl als ich aus Winnipeg heraus fuhr, etwas wehmütig aber immerhin ein Ziel vor den Augen, trat ich das Gaspedal durch. Zunächst mal hieß das Ziel Halifax in Nova Scotia. Glatte 3.600 Kilometer liegt das von Winnipeg entfernt. In Headingley auf dem Flying J noch einen Coffee to go in meine rote Coffee-Mug gefüllt, verabschiedete ich dort auch ein paar bekannte Kassiererinnen bei denen der Kaffee meistens gratis war.
Zur Strecke über Ontario brauche ich wohl kaum noch etwas ausführen, ich wählte den Highway 11 und kam dann in Montreal raus. Durch das französisch sprachige Quebec fuhr ich dann runter nach New Brunswick und weiter nach Nova Scotia.
Ich hatte diesen Gewaltmarsch bereits am Mittwoch erledigt und den Container ordnungsgemäß im Hafen der Halterm LTD mit der Destination Rotterdam, Netherlands abgeliefert.
Der Broker, den ich bereits vorab telefonisch über mein Eintreffen im Hafen informierte, kümmerte sich inzwischen um alles weitere und wünschte mir einen guten Flug. Bereits am Freitag verließ der Dampfer Halifax und sollte die nächsten 2 Wochen auf See sein.
Nova Scotia ist immer eine Reise wert, ich habe mir sagen lassen man soll hier gut Urlaub machen können, hatte aber leider keine Zeit mehr um mich näher umzusehen.

Im Jahr 2009 lag die Gorch Fock im Halifax Habour, ich war also mal wieder nicht der erste deutsche hier.

Bleibt aber der Trost, ich werde wohl nicht der letzte Besucher sein, soweit man von Besuch überhaupt sprechen kann, denn ich lies den leeren Trailer bei TIP in Halifax stehen und setzte meine Fahrt Bobtail umgehend mit der Destination Minneapolis fort.
Für ein Hummeressen in Halifax fehlte mir leider jegliche Zeit.

Ich crosste die Border von New Brunswick kommend in Houlton, US-Bundesstaat Maine und cruiste die I95 bis runter nach Massachusetts woraufhin ich mich West nach Connecticut und New York State hielt um dann in Pennsylvania die I80 bis Chicago zu nehmen.


Meine kurzen Pausen beschränkten sich meistens auf den Kauf eines Kaffee und die Korrektur im Logbuch um alles "up to date" zu halten. Ich wollte mir schließlich nicht noch auf meinem letzen Trip ein Ticket wegen zu langen Fahrens einhandeln.
Bereits am Samstag hatte ich online einen Last Minute Flug nach Island gebucht um dort die Lage meines ersten Job Angebotes zu checken.
Schon vorab sagte man mir auf meine Frage hin, wie es denn mit einer Arbeitsgenehmigung sei, das wäre überhaupt kein Problem. Zitat: "This is not Canada, this is Iceland !"
Das klang soweit ganz gut und für den Fall, das mir Island oder der Job nicht gefallen würde, Island ist schließlich eine Insel welche sich gerne europäisch sieht, hatte ich als Plan B noch eine weitere Zusage aus Deutschland, welche mir einen Festvertrag anbot.
Somit konnte nichts schiefgehen und ich trat ordendlich drauf um meinen Flug mit der Icelandair nicht zu verpassen.
In der Zwischenzeit gingen mir total bescheuerte Sachen durch den Kopf, wie zum Beispiel, wohin mit meiner Kaffeetasse, lieber ins Handgepaeck oder in den Koffer? Die musste auf jeden Fall mit.

Von Halifax, NS bis Minneapolis, MN sind es auch nochmal 3.400km, eigentlich waren das 3,5 Tage Fahrt, aber nun war der Mittwoch sowieso schon platt und ich fuhr noch bis spät in die Nacht hinein.
Schon am Samstag startete die Maschine planmäßig um 7:20PM und ich musste noch meine letzen Utensilien aus dem Truck ausräumen, den ich dann in Saint Paul an einen neuen Fahrer übergab. Der Neue hatte bereits den Auftrag einen beladenen DryVan Trailer in Minneapolis zu übernehmen und nach Winnipeg zu bringen. Alles lag im Zeitplan, schlafen konnte ich noch im Flugzeug, so zumindest der Plan.
Mein Flieger ging um 7:20PM, also war noch Zeit genug um am Nachmittag in einem Hotel zu duschen und mein Reisegepaeck zu überprüfen. Von Müdigkeit komischerweise keine Spur.
Allmählich machte sich aber ein flaues Gefühl in der Magengegend breit wobei mir auffiel, das dies an zwei Dingen lag. Erstens hatte ich an diesem Tag noch nichts gegessen und zweitens wurde mir bewusst das ich die USA wohl am meisten vermissen werde. Auf Canada kann ich dagegen gerne verzichten, auch wenn ich dort viele Freunde zurückgelassen hatte.

Ich kann mich einfach nicht mit einem Land identifizieren, in dem Unschuldige einfach ohne jegliche Verurteilung eingesperrt werden und nur vorzeitig entlassen werden wenn sie sich schuldig bekennen.
Straftäter wie zum Beispiel Kindesentführerinnen oder Autodiebe lässt man hingegen aus der Provinz davonlaufen und beschönigt diese Fälle hinterher in der Kriminalstatistik als Nicht existent, weil das Provinzrecht nicht provinzübergreifend wirkt.
Frisch geduscht und gut gestärkt fuhr ich mit einem Cab zum Airport und checkte ein.
Mein I94 Visa reichte den US-Customs völlig aus und die Maschine legte einen problemlosen Start hin.
Nach einer Weile war ich wieder über kanadischen Luftraum und kreutzte nochmal die Stelle, an der ich nur ein paar Tage zuvor bei Kapuskasing über den Highway 11 donnerte.



Das Unternehmen Canada ist für mich in keinster Weise gescheitert, es ist nur anders abgelaufen als ich es mir erhoffte. Nach intensiven Gespraechen mit Immigration Canada kam herraus, das allein meine Ex Frau Ricarda dafür verantwortlich ist, dass mir bis heute nicht die permanente Aufenthaltsgenehmigung (PR) ausgestellt wurde obwohl die Papiere dafür bereits in Winnipeg bereit lagen. Als sie sich von mir trennte, zerbrach damit auch unser Provincial Nominee Program welches für die Erteilung der PR wichtig ist.
Meine letzte Arbeitserlaubnis drohte abzulaufen und damit auch mein Recht in Canada zu bleiben. Ein neues Workpermit war nicht mehr zu bekommen, da die Kopie des PNP nach über 2 Jahren nicht mehr anerkannt wird. Immigration Canada legte mir Nahe, ich könne dies nur umgehen, in dem ich mir einen anderen Arbeitgeber suchen wuerde, welcher für mich ein LMO bekommt. Solche Jobangebote hatte ich zwar reichlich, aber ich sah einfach nicht ein, warum ich mich von einer Firma trennen sollte, die mit mir und vor allem, mit der ich zufrieden war. Winnipeg Motor Express sah das ganz genauso doch trotz aller Bemühungen konnten sie nichts an der Sachlage ändern.
Ich entschied mich dann doch für Plan B, den Flug nach Osten, bevor mein Permit ablief.
Rein rechtlich bewegt sich Canada auf dünnem Eis, ich hätte wohl Ice Road Trucker werden müssen um in dieses System zu passen.
Prinzipiell habe ich alles gesehen was ich wollte, wobei der beste Teil in den United States of America lag.
Vielleicht starte ich eines Tages ein Comeback in die USA um noch einmal ein wenig "Coast to Coast Trucking" zu erleben.
Zunächst jedoch arbeite ich mich langsam richtung Osten vor, will vielleicht eine Weile in Deutschland leben, auch eine Reise nach Asien ist bereits in Planung. Es gibt noch viel zu entdecken.

Und noch während die Sonne am Horizont immer kleiner wurde ging mir durch den Kopf das ich in Canada viel verloren hatte und doch auch viel gewann.
Jedem, der sich Canada als zukünfiges Lebensziel gesetzt hat, sei gesagt, ich wünsche euch von Herzen viel Glück in dem Land eurer Wahl doch vergesst niemals: Wenn es mal nicht weitergeht gibt es immer einen Plan B !
Vergesst nie wer ihr seit oder wo ihr herkommt. Seit straight auf eurem Weg und lasst euch nicht reinreden.

God bless you.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Hamburgers, White Bred and Big Trucks

Bis auf sein eher mildes Klima ist die kanadische Provinz British Columbia auch nichts anderes als nur eine Provinz von Canada. Auch hier hat der Ami, wie ueberall auf der Welt, seinen Krieg gewonnen. Nein, natuerlich nicht mit Waffengewalt, sondern mit seiner groessten Waffe, dem Hamburger. Kein Land kann sich denen entziehen und so gibt es die Filialen der Burgerbuden bereits in fast jeder kleineren Stadt.


Hier im kanadischen Vancouver wirbt man typisch nach Fastfood-Art mit der Eggspress Lane, welche sinnbildlich die Express-Spur der Fruehstuecksei Experten und Burgerverkaufskette mit dem grossen gelben M repraesentiert. Da braucht der Grossteil ihrer Kundschaft keine deutsche Schnitzelstube, die rennen dem Schotten freiwillig die Bude ein weil es preiswert ist, schnell geht und ausserdem allen Unkenrufen zum trotz Nahrhaft ist wenn man es nicht mit der Menge uebertreibt.


Nun kann man so eine Mahlzeit natuerlich nicht mit einem Menu von der Karte eines Restaurants vergleichen, in dem einem zum T-Bone-Steak ein spanischer Rioja oder argentinischer Malbec Wein gereicht wird. Selbst ein Schnitzelstuben Imbiss Lokal ist im Vergleich mit den Burger Schuppen qualitativ hochwertiger und doch bekennt sich die Masse des hungrigen Volkes zu Fastfood und stuermt deren Filialen.
Bei der Golden West Bakery gab es fuer mich eine Ladung der begehrten Burgerbroetchen, tiefgefroren, fuer Winnipeg. Auf diese Weise kann man natuerlich auch den Trans Canada Highway zur Eggspresslane machen.
Der Burger Schotte bereist mit diesem Werbegag uebrigens alle Provinzen Canadas und seine Trailer fallen auf.
Obwohl Big-M nicht ueber die meisten Filialen in diesem Buisiness verfuegt, ist es dennoch die umsatzstaerkste Fastfoodkette der Welt.
Mein Kollege mit seinem Peterbilt liess kurzerhand die Katze aus dem Sack und wartete nach der Verladung schon mal an der naechsten Filiale des Schotten auf mich. Da gabs zur Abwechslung mal wieder ein very Big Mac Meal. Die Amis nennen das Menu.
Wir diskutierten ein wenig ueber die Vor- und Nachteile der Waschmaschinen in Canada, hauptsaechlich werden hier noch immer Toplader benutzt, und ich erwaehnte das meine Laundry in Winnipeg faellig fuer die naechste Trommel sei als wir bei der Abfahrt vom Schotten an der deutschen Miele Niederlassung vorbeifuhren. Waschmaschinen zu vergleichen ist leider nicht mein Ding, ich finde die Laundry wird durch beide Varianten sauber und schnell geht es auch.
Also Gang rein und ab durch die Rocky's, 2.300 km eastbound, rolling home.

Freitag, 8. Juli 2011

The California Fruit Race (3) - Northbound

Wenn man sich ueberlegt das wir 1.400 km Leerfahrt von Oregon nach Californien auf uns nehmen, nur um eine Ladung Orangen nach Canada zu bringen, dann klingt das schon ziemlich unglaublich, vorallem, wenn man diesen Trip mal mit einer Tour von Spanien nach Deutschland vergleicht. Letztendlich kommt man aber zu dem Schluss, das dieses Transportgeschaeft in Europa so ziemlich am Ende zu sein scheint, denn bei meiner Ladung bleibt noch immer etwas vom Verdienst uebrig.
Wenn die California Highway Patrol (CHP) im Einsatz ist, sollte man ihnen besser nicht im Weg stehen. Die bringen es fertig und stellen ahnungslose Fahrer unter Arrest, nur weil der Cop das so entscheidet. Die Frage ob sie das denn laut Gesetz duerfen stellt sich hier erst garnicht. Sie sind das Gesetz.



In Sacramento fuhr ich an den Reisfeldern des Sonnenstaates vorbei waehrend Bello auf der Ladeflaeche des Pick Up's seines Herrchens Platz nehmen durfte was in Nord Amerika so Standart ist.
In Nord Californien kamen mir dann die zwei von der Tankstelle entgegen. Nicht das die beiden auf einer professionellen Ebene Auftraege suchten, weit gefehlt, deren Masche ist es nach ein paar Dollar fuer Benzin zu fragen. Und ja, der amerikanische Truckdriver ist im Allgemeinen sehr zuvorkommend und haelt den Maedels gerne einen Schein aus dem Fenster, wer arm ist dem wird gegeben. Ist doch suess oder ?
Ich nutzte meinen Halt auf dem TA Truckstop fuer einen Check in der ansaessigen Werkstatt. Bei meinem letzten Vehicle Check stellte ich leichten Luftverlust an einem meiner Federspeicher des Trucks fest. Das ist eine Sache fuer den Fachmann, zumal die Berge am Mount Shasta noch vor mir lagen und da wollte ich weder einen Breakdown riskieren, noch mit Maengeln an der Bremsanage fahren. Der Fehler war aber schnell behoben, denn es stellte sich herraus, das es nur ein Luftschlauch am Brakechamber war, welcher etwas zu lang war und deshalb am Rahmen leicht durchgescheuert war. Da zeigt sich mal wieder die typisch canadische Professionalitaet im Schrauber-Business.
Zum Mittagessen zog ich derweil das Iron Skillet Restaurant des gegenueberliegenden Petro Truckstops vor. Nach einem kleinem Rib Eye Steak mit Fries und Salat verliess ich die Location und konzentrierte mich wieder auf das Trucking und die Interstate.
Ich hatte zwar gehofft das nun alles glatt geht, doch wenn einer eine Schraube locker hat, welche dann auf dem Highway liegt, dann passieren solche Sachen nunmal: Flat Tire !
Ein Platten auf den Drives kostete mich extra 3 Stunden Zeit bis der Reifenheini endlich kam und meinem International Eagle einen neuen Schlappen angezogen hatte. Danach war ich endlich "good to go" um meinen Diesel ueber den Pass zu bringen. Good bye California.



Sonntag, 3. Juli 2011

The California Fruit Race (2)

Wer das mexicanische Essen mag, der wird sich in Santa Maria, California, so richtig wohl fuehlen. Hier gibt es reichlich mexicanische Restaurants, sogenannte Casa Manana. Dort sollte man sich keinesfalls die Spezialitaet der Stadt, das Santa Maria Style Barbeque oder ganz speziell das Tri-Tip-Steak entgehen lassen. Seit den spaeten 50er Jahren grillen die Hombres dieses ausgezeichnete Steak aus duennem Muskelfleisch ueber rotem Eichenholz und servieren es mit Garlic Bread, Pinquito Bohnen und Salat.
Nach einer angenehmen Nacht setzte ich also meinen Trip fort und steuerte den International Truck auf den bereits von der Sonne aufgewaermten Asphalt des Highways um den zweiten Teil meiner Ladung in Lindsay aufzunehmen. Waehrend mir mein GPS eine Route durch die etwas noerdlicher gelegenen Berge vorbei an Paso Robles offerierte, waehlte ich die etwas laengere Strecke ueber die US166, welche ueber die Sierra Madre Mountains nach Bakersfield fuehrt.
Fuer mich machte das deshalb Sinn, da der Fuellstand meiner beiden Dieseltanks bereits drastisch abgenommen hatte und der Truckstop in Bakersfield demnach der naechste Fuelstop fuer mich war.





In den Bergen der Sierra Madre ging es stetig rauf und runter. Beides stellte fuer mich kein grosses Prolem dar, ich war ja nur mit einer halben Ladung unterwegs.
Beim Brakecheck Platz am Highway checkte ich nochmal ordnungsgemaess meine Bremsen und rollte dann unter Einsatz meiner Jake Brake ins Tal.
Auf einer dieser Runaway Ramps moechte wohl niemand gerne enden, weshalb hier auch die Kontrolle der Bremsen so wichtig ist.


In Bakersfield hab ich meinen Tanks dann wie geplant eine Fuellung gegoennt und mir selbst ein kuhles Getraenk mit Eis, was bei der Aussentemperatur um 33 Grad Celsius auch sehr angenehm war. Anschliessend gab es einen Burger mit Fries "to go" von einer bekannten Fastfoodkette und ich liess meinen Diesel mit einem sanften Druck auf den Cruise Control ueber die Interstate 99 fliegen.
Der Verlader war sehr nett und errechnete sofort das Gewicht aus meiner Wiegekarte und seinen Paletten. Es passte aber alles drauf und mein Gesamtgewicht einschliesslich dem aller Achsen war in Ordnung. Auf den Trailerachsen drueckten nun 33.900 lbs auf den Highway waehrend es auf den Drives der Zugmaschine nur 32.450 lbs waren. Eigentlich habe ich das groessere Gewicht lieber auf dem Tractor aber hinsichtlich der in Californien geltenden Bestimmung, die Trailerachsen nicht weiter als 40 Fuss, gemessen vom Kingpin bis zur Mitte der hinteren Trailerachse, nach hinten zu schieben, war das soweit ok und ich konnte mich auf den Weg machen. Destination Vancouver in British Columbia, Canada.

Freitag, 1. Juli 2011

The California Fruit Race (1)

Von Portland, Oregon hiess es nun fuer mich 1.400 km Leerfahrt und ein "hammer down" oder "Pedal to the metal" war in keinster Weise machbar fuer einen geraden southbound "hit'n run" bei sowohl in Oregon als auch in Californien erlaubten 55mph.

Das Wetter war wirklich hervorragend schoen und je weiter ich den Sueden enterte, je waermer wurde es.


Die Agrarprodukte-Kontrollstelle in Californien liegt direkt auf der Interstate. Hier muss man zwangslaeufig durch und im Normalfall die Papiere der Ladung als Beweis dafuer vorlegen, das man keine unerlaubten Inhaltsstoffe ueber die Staatsgrenze nach Californien bringt. Fuer mich reichte es aus der blonden Schoenheit mitteilen zu koennen das mein Trailer leer sei.







Das Wetter wurde immer besser und dank guter A/C, Countrymusic aus dem Radio und manchmal auch ein kurzes Gespraech mit anderen Truckern auf Kanal 19 meines CB Radios, fuehlte ich mich Pudelwohl in meinem Truck. Nachmittags wurde dann der leere Inhalt meiner 34oz grossen Coffee-Mug gegen einen eiskalten Foutain Drink vom Truckstop eingetauscht, was je nach Geschmack von Cola ueber Sprite zum Fruchtgetraenk sein kann. Der sogenannte Supertanker Becher fasst 52oz des kuehlen Nass was 1,5 Litern entspricht. Somit ist man nach einem Stop wieder gut bis zum naechsten Tirecheck versorgt.
Ueber die Interstate 5 kam ich nach Sacramento und fuhr dann oestlich an San Francisco vorbei. Dann ging es so ziemlich an der Pacific Kueste entlang nach Santa Maria wo sich meine erste der beiden Ladestellen befand.
Das Lagerhaus fuer Kuehlware oeffnete morgens um 8 seine Tore so das von dem Zeitpunkt an nicht nur das Verladepersonal, sondern auch die Trucker schwer beschaeftigt waren, zumindest hatte ich so bei einigen den Eindruck.
Abends um 8 verliess dann auch die letzte Angestellte ihren Buerostuhl und fuhr nach Hause. Ich blieb dank dessen, das es schon spaet war, in Santa Maria stehen, und brach am naechsten Morgen zum 325 km entfernten zweiten Kunden auf, sogesehen lag der ja gleich um die Hausecke.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Montana - Roadworks and Camper Saison

Die Urlaubszeit ist doch immer die schoenste Zeit des Jahres. Nur gut, das mein Job eigentlich wie Urlaub ist und ich auch noch fuer diese Sightseeing Trips bezahlt werde.
Aber jede Sache hat auch so ihre Haken, ihr kennt das ja von Europa. Rauf auf die Piste und rein in die Baustelle. Ach herje sowas geht an die Substanz, wer wuenscht sich da nicht in den USA ueber die endlosen Highways gleiten zu koennen waehrend die amerikanischen Baustellen den Eindruck erwecken als seien sie zum Anschauen da.

Montana kann um diese Jahreszeit sehr vielseitig sein. Nicht nur Reperaturarbeiten an den Interstates sondern auch Ueberschwemmungen an den Fluessen oder schier unendlich lange Staus von bis zu 1km Laenge kommen vor.
Der Amerikaner ist geduldig und nimmt es hin waeehrend ich meine Selbstportraits am Lenkrad schiesse.



Da hoere ich sie wieder, die Stimmen der Bueffelbude, sie sprechen von mir, dem unsicheren Fahrer. Nur mit einer Hand lenken, geht ja auch nicht. Zum schalten nehme ich deshalb wohl besser einen Beifahrer mit damit ich wieder beide Haende am Steeringwheel habe.
So mancher Urlauber koennte sich doch an den Buffalo Rules ein Beispiel nehmen, denn immerhin haben die mit denen was gemeinsam, viele unqualifizierte Leute.


Es gibt aber sicher auch andere unter den Campern. Da sind die Classic Cars genauso vertreten wie Big Daddy, der seinen Truck zum Camper umgebaut hat. Classics gibt es hier sehr viele zu sehen und die Amerikaner sind stolz auf ihr altes Blech.
Die kleineren Campertrailer werden hier mit Pick Up's zu den Dealern gefahren. Schliesslich sind auch diese Fahrzeuge richtige Trucks, was das deutsche Finanzamt natuerlich nie verstehen wird.
Auf einem Rastplatz habe ich dann meinen Kollegen Fred getroffen. Fred faehrt den gleichen Truck wie ich nur seiner ist weiss. Auf dem Parkplatz fanden wie Warnhinweisschilder ueber Klapperschlangen vor und auch ein Schild mit den Erklaerungen der Rinderbrandzeichen. Na dann weiss ich ja jetzt was ein Dogie ist.
Fred erzaehlte mir, er habe eine Trip nach Los Angeles und so zogen wir noch eine Weile zusammen durch die Huegel von Monatana bevor sich unsere Wege in Butte trennten. Mein Ziel hiess Portland in Oregon, also weiter westbound durch Missoula, dann die Berge von Idaho und im Anschluss rein nach Spokane im Bundesstaat Washington.
Meine Urlaubslaune lass ich mir auch nicht von der leeren Kaffeekanne auf dem Flying J vermiesen, nebenan gibt es McDonnalds und auch so ein Fruehstueck mit EggMcMuffich ist auch voellig ok.