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Montag, 7. Dezember 2009

Let it snow, let it snow, let it snow ...

Überraschend kam der Wintereinbruch hier nicht. Es hatte ja bereits im Oktober geschneit und eigentlich waren hier auch alle auf den Winter vorbereitet, mal abgesehen von einigen Autofahrern, die es ja überall fertig bringen bei dem
kleinsten Anzeichen von glatten Straßen ihr Fahrzeug zu schrotten.

Nach einer ganzen Woche Off-Duty zu Hause in Winnipeg ging es auch für mich wieder On The Road.
Im 80 Kilometer entfernten Portage la Prairie übernahm ich eine Ladung für Michigan, welche ich nach 2 Tagen Fahrt anliefern konnte. Bereits zwischen Morris, Manitoba und Fargo, North Dakota schneite es so heftig, dass der Highway in Canada, sowie die Interstate 29 in den USA schneebedeckt waren. In Minnesota machte den Autofahrern dagegen Black Ice (Eisglätte) zu schaffen.

Beim Kunden in Michigan angekommen gab’s gleich nach der Entladung eine Anschlussfracht, welche ich nach Quebec brachte. Die französische Sprache, welche dort gesprochen wird, erinnerte mich sofort an meine Trips nach Frankreich, so dass ich tatsächlich noch ein paar Brocken Französisch heraus bekam. Auch hier in Fermont in Quebec gab es eine Rückladung, welche ich nach Grand Rapids in Michigan transportieren sollte. Die Wetterverhältnisse waren allerdings alles andere als gut. Ich hatte jedoch Glück und kam ohne größere Verzögerungen hinter Sarnia über die Blue Water Bridge wieder in Michigan in den USA an.

Winterliche Überraschung auf dem Truckstop
Das änderte sich aber dann schlagartig, als ich am nächsten Morgen auf einem Truckstop in der Nähe des Customers meine Nachtruhe beendete. In der Nacht hatte es weiter geschneit und mein Truck war trotz des warmen laufenden Motors auf der Haube aus Glasfaserverbundstoff mit einer dicken Decke aus Schnee bedeckt. Ein Blick nach draußen über den Parkplatz machte es nicht besser, der Truckstop war ziemlich voll und ich beschloss mich zunächst noch mal unter meine warme Bettdecke zu verkriechen, bis es etwas ruhiger wurde, was es dann so gegen 9 Uhr auch tat.

Nach einem wohltuenden Frühstück im Truckstop begab ich mich zur Entladenstelle. Auf meinem Qualcomm-Satellite ging dort dann die Nachricht für eine neue Ladung ein. Die sollte diesmal aber nicht in Michigan, sondern in Wisconsin geladen werden. Für mich hieß das nun ca. 450 Kilometer Leerfahrt bis zur Ladestelle hinter mich zu bringen.
Bei teilweise glatter Fahrbahn ist es ohne Gewicht auf den Drives natürlich nicht so angenehm. Trotzdem ging es, wie man auf dem Bild im Blog erkennen kann, bei 55 Meilen pro Stunde mit dem Cruise Control (Tempomat) ganz gut. Ich hatte ja auch Zeit, der Ladetermin war ja erst am Montag um 18:00 Uhr geplant.
In Indiana war dann der Schnee verschwunden und die Sonne kam raus. Auch in Illinois lief alles prima. Während ich nun diese Zeilen schreibe, mache ich einen Reset (große Pause) in South Beloit, IL auf dem Flying J Truckstop und habe fast das Gefühl, das hier der einzige Ort in Nord-Amerika ist, an dem noch kein Schnee liegt.

Canada ist ja mittlerweile unter einer weißen Schneedecke verschwunden, da bin ich gespannt wie es weiter geht. Meine Ladung geht nämlich rauf nach Alberta und andere Kollegen berichteten bereits vom Schneechaos. Ich wette, die übertreiben mal wieder, denn bis der Amperebear über die Strecke fegt, ist dort sich wieder alles trocken.


Hier noch ein wichtiger Tip für die Reise durch Winter-Wonder-Land-Canada:
Solltet ihr trotz gutem Gewicht auf den Antriebsachsen eurer Trucks mal den winterlichen Wetterverhältnissen zum Opfer fallen und im Nirgendwo im Stau stecken oder selbst feststecken, ich sorge immer dafür, dass die Dieseltanks und mein Kühlschrank gut gefüllt sind. Das gleiche empfehle ich auch jedem anderen. Man sollte eben auch auf das Unvorstellbare vorbereitet sein. In der Winterzeit
sollte man auch zusätzliche Decken und eventuell Kerzen oder Gaskocher im Truck lagern. Wenn ihr in der kanadischen Prärie weit ab von jeglicher Zivilisation einen Breakdown erleidet, dann seit ihr wohl möglich für längere Zeit auf euch allein gestellt. Bei einem plötzlich einsetzenden Schneesturm könnte das eurer vorzeitiges
Ende bedeuten, falls ihr nicht ein wenig Vorsorge getroffen habt.

Wenn niemand anderes durch den Sturm kommt, dann sicher auch keine Rettungskräfte. Das letzte, was in Kanada passieren könnte, ist so eine Situation, wie sie im Winter 1978 bis ’79 in Norddeutschland stattfand. Damals hatten Bergepanzer der Bundeswehrmacht die Autobahnen freigeschoben und eingeschneite Verkehrsteilnehmer wurden mit Essen und heißen Getränken versorgt.

In Nord-Amerika, speziell aber in Kanada, kann es noch viel kälter werden und die Flächen sind wesentlich größer. Bis da dann mal einer vorbeikommt, könnte man bereits erfroren sein, falls man sich nicht entsprechend vorbereitet hat.

Ansonsten hoffe ich auf ’nen guten Rutsch und wenn das Wetter
mitspielt, driving home for Christmas .....

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Alle Wetter !

Sonnenschein, Thunderstorm Warnungen und plötzliche Wintereinbrüche gehören hier in Nord-America um diese Jahreszeit zum Standartprogramm. Ich bin mittendrin statt nur dabei, während ich mit meinem roten Truck durchschnittlich 3.300 Meilen in der Woche hinter mir lasse. Der letzte Trip war auch wieder so ein Kracher, runter nach Texas, dann über Arkansas und Missouri rauf nach Saskatchewan und weiter an die Küste von British Columbia. Allein auf dieser Tour fuhr ich 7021 km und habe incl. Mountaindriving und overnightidling ca. 2900 Liter Diesel verbraucht, was einen Verbrauch von 41,30 l/100km ergibt. Mehr Diesel spart hier übrigens, wer entweder die entsprechende Zusatzheizung im Truck hat, oder wer Nachts friert. Bei einem Idle-Speed von 850 bis 900 U/min schläft es sich aber ganz gut und ausserdem stellt die leicht erhöhte Motordrehzahl den Öldruck sicher. In der Werkstatt war ich auch und habe meine bestellte Frontscheibe bekommen. Jetzt gibts endlich wieder Bilder ohne den hässlichen Riss in der Scheibe.


Starke Regenfälle in Little Rock, Arkansas, und es hörte einfach nicht auf zu regnen. "tons of water" nannten die U.S. truckers das, was hier auf dem Bild noch harmlos aussieht.

Ab Kansas City fielen die Temperaturen dann unter den Gefrierpunkt und was Streckenweise zu Black Ice führte und somit einige Unvorsichtige Autofahrer in the Ditch verfrachtete.
Auch in Fargo, Nord Dakota, war es am Abend noch etwas weiss, am nächsten Morgen war auch der Rest Schnee geschmolzen.
Ich fuhr dann über Regina, Saskatchewan richtung Westen weiter. Dort auf dem TransCanada Highway sah es genauso aus. Auf der Strasse war vom Schnee nichts übergeblieben, lediglich der Rest auf den Feldern verwiess auf den kommenden Winter.

In Calgary, Alberta war es dann morgens wieder weiss und ich freute mich schon auf die verschneiten Berge.

Auf dem Weg in die Rocky-Mountains kam es dann aber auch wieder anders, Schneefrei bis an die Westküste.




Die Berge waren schon schneebedeckt, auf der Strasse hörte es aber bereits hinter Calgary wieder auf mit der Schlittenfahrerei.


In Delta, (Vancouver) B.C. am Autohafen. British Columbia ist ja bekannt für sein mildes Klima. Der Pacific bringt nicht nur die Buckelwale, sondern auch erträgliche Temperaturen an die Küste.


Autofähre im Hafen von Delta, BC



Langsam ist es nun also Zeit für die Natur und seine Bewohner, sich auf den kommenden Winter einzustellen.

Ich denke aber, alles halb so wild. Wir haben hier bei weitem nicht den Verkehr auf der Strasse, wie wir das aus Europa kennen, ausgenommen in den grossen Städten.

Das Land ist hier die Ruhe selbst und mir gefällts.














Ricarda hat inzwischen erfolgreich dem ersten Teil des Manitoba Entry Program beigewohnt und auch den anschliessenden Benchmarktest bestanden. Mit diesem wird sie bald die University of Manitoba besuchen. Die Kosten dieser Ausbildung übernimmt die Provinz Manitoba in voller Höhe.
Auch Nathalie kommt in der Schule absolut gut klar. Die englische Sprache spricht sie bereits fliessend und sie hat eine Menge Spass dabei. Das einzig auffällige an ihr seien ihre blonden Haare, so ihre Klassenlehrerin.
Nathalie freut sich jedenfalls schon auf den nächsten Schnee. Dann, so sagt sie, kann sie mit ihren Freunden wieder Schneemänner bauen.